Neuer Markt

Für die Neugestaltung des Neuen Markts hatte sich in einem freiraumplanerischen Wettbewerb das Büro Mann aus Fulda durchgesetzt. Die Planung zeichnete sich durch das gelungene Einfügen in die neue Fußgängerzone aus. Die Pflastermaterialien, Laufzonen und Leitstreifen wurden in die Platzgestaltung integriert. Die Platzmitte wird durch einen „Teppich“ aus dunkler Grauwacke gebildet. Der Brunnen sollte an einen zentralen und besser sichtbaren Standort versetzt werden. Das Kirchengrundstück war durch umlaufende Sitzstufen abgegrenzt. Der Bau- und Umweltausschuss hatte im Frühjahr diesem Vorentwurf zugestimmt und die weitere Beauftragung des Büros beschlossenen (BA/2/2017).

Als Ergebnis der bisherigen Planungs- und Beteiligungsphase liegt das folgende Entwurfs- und Ausbaukonzept vor:

Freiraumplanerisches Konzept

Der Platz „Neuer Markt“ wird als eigenständiger Stadtraum innerhalb einer Abfolge von Plätzen entlang der Fußgängerzone herausgearbeitet. Gleichzeitig wird die Platzgestaltung in die Neugestaltung der Fußgängerzone eingebunden. Die St. Johanniskirche ist das stadtraumprägende Bauwerk am Platz. Das Kirchengrundstück wird vom umgebenden Stadtraum hervorgehoben (siehe Varianten unten mit oder ohne Stufen). Der Neue Markt selbst wird durch einen besonderen Belagsteppich mit dem Neustädter Brunnen geprägt. Es entsteht ein identitätsstiftender Platz, welcher eine hohe Aufenthaltsqualität bietet und multifunktional nutzbar ist.

Verkehr

Der Neue Markt wird als Fußgängerzone ausgebildet. Die Verkehrsverbindung von Komtur- und Credenstraße über den Neuen Markt entfällt. Die beiden Straßen werden als Sackgassen ausgebildet Vier bestehende Parkplätze an der Ostseite des Neuen Marktes entfallen. Der Einmündungsbereich im Bereich der Komturstraße 24 wird Teil der Platzgestaltung. Der Parkstreifen in diesem Bereich entfällt. Es werden 20-25 Fahrradstellplätze dezentral auf dem Neuen Markt platziert.

Beläge

Die Materialität der Oberflächen greift die Materialien der Neugestaltung der Fußgängerzone auf. Die Pflastermaterialien der angrenzenden Lübber- und Höckerstraße werden auf den Platz fortgeführt und um einen zentralen Belagsteppich ergänzt. Für die Platzrandbereiche ist europäisches Granitpflaster mit einer Breite von 12 cm in freien Längen vorgesehen. Die Vorzonen der Gastronomen und Anlieger werden mit einem Läufer aus Grauwacke in einer Breite von 30 cm markiert. Die zentralen Platz- und Bewegungsflächen werden mit Granitpflaster in einer Breite von 24 cm in freien Längen versehen. Der zentrale Belagsteppich besteht aus Pflasterplatten aus Grauwacke im römischen Verband. Dadurch hebt sich die Fläche als Intarsie im Stadtraum hervor und bleibt trotzdem im vorhandenen Belagskanon. Das direkte Kirchenumfeld der St. Johanniskirche erhält einen gut begehbaren Belag in Granitkleinpflaster im Passeverband. Die Oberflächen sind gebrochen und im Bereich der Kircheneingänge gestockt. Das Kirchenumfeld wird mit einem 50 cm breiten Granitstein eingefasst. Die bewusste Einschränkung der Materialvielfalt und die reduzierte Formensprache bieten der historischen Altstadt mit Ihren vielschichtigen Fassaden einen ruhigen und angemessenen Rahmen. Der Aufbau der Pflasterflächen wird entsprechend Bauklasse 1,8 dimensioniert.

Barrierefreiheit

Der gesamte Platz wird gut begehbar ausgebildet. Die Eingänge der St. Johanniskirche werden barrierefrei erschlossen. Das taktile Leitsystem wird in der Fußgängerzone fortgeführt und leitet über den Platz zum Eingang der St. Johanniskirche. Das Leitsystem besteht aus Rillenplatten aus Granit, entsprechend dem Pflasterbelag des Platzes. Es verläuft begleitend dem Grauwacke- Läufer welcher die Vorzonen markiert.

Neustädter Brunnen

Der Neustädter Brunnen wird auf die östliche Platzseite auf den zentralen Belagsteppich versetzt. Die Versetzung resultiert aus den Blickbeziehungen der angrenzenden Straßen- und Platzräume. Auf diese Weise wird der historische Brunnen ein von Weitem sichtbares Merkzeichen des Neuen Marktes. Der vorhandene Sandsteinsockel wird wiederverwendet.

Ausstattung

Im Bereich der Hämelinger Straße, sowie der Ostseite des Platzes werden die bequemen Sitzbänke mit Holzauflage und Lehne aus der angrenzenden Lübberstraße fortgeführt. Die Lage der Bänke ermöglicht angenehmes Sitzen unter lichten Bäumen, in sonnigen und absonnigen Bereichen. Ein 7 m langes Bankelement aus Grauwacke prägt die Kirchenvorzone. Es wird ohne Lehne ausgebildet und kann bei Veranstaltungen von einer Bühne überbaut werden. Es fügt sich in den Materialkanon ein und tritt in einen Dialog zum Neustädter Brunnen. Die herausnehmbaren Poller im Bereich der Einmündung Hämelinger Straße, sowie Komturstraße werden in Metall ausgeführt.

Eventnutzung

Der Neue Markt steht als multifunktionaler Stadtraum vielseitigen Nutzungen zu Verfügung. Die Nutzung für Veranstaltungen und Feste ist grundsätzlich möglich. Die gesamte Fläche wird für eine Befahrung durch Fahrzeuge des Schwerverkehrs ausgelegt. Für die Versorgungsinfrastruktur bei Veranstaltungen werden mehrere Elektranten dezentral auf dem Platz vorgesehen.

Bäume

Auf der zentralen Platzfläche sind der Erhalt von 5-8 Bäumen sowie die Neupflanzung von 2-5 Bäumen (je nach Variante unten) vorgesehen.

Für die Neupflanzungen ist die Säulen-Gleditsie (Gleditsis triacanthos „Skyline“) vorgesehen. Durch ihre filigrane Krone bilden die Bäume eine transparente Ebene vor den Fassaden, ohne sie zu verstellen. An der östlichen Platzseite entsteht unter den eventuellen Neupflanzungen ein Aufenthaltsbereich unter lichtem Blätterdach. Ein Solitärbaum ergänzt den Aufenthaltsbereich vor der Kirche. Eine weitere Gleditsie wird in der Komturstraße gepflanzt.

Entwässerung

Die Entwässerung der Platzfläche erfolgt über eine umlaufende Schlitzrinne um den zentralen Belagsteppich, sowie über Schlitzrinnen, welche in Verbindung mit dem Grauwacke- Läufer und dem taktilen Leitsystem über den Platz geführt werden. Das Kirchenumfeld wird vom Gebäude weg in Abläufe entwässert.

Beleuchtung

Das Beleuchtungskonzept sieht vor, den Neuen Markt über Lichtstelen zu beleuchten. Diese befinden sich an den Platzrändern und erzeugen eine indirekte Beleuchtung des Platzes mit seinen Fassaden. Der Neustädter Brunnen wird weiterhin mit den vorhandenen Bodenstrahlern inszeniert. So behält er auch bei Dunkelheit seine Wirkung als platzprägendes Merkzeichen.

Kosten

Die Baukosten werden auf 1,25 Mio. € geschätzt. Davon entfallen 1,12 Mio. € auf das städtische Grundstück und 0,13 Mio. € auf das kirchliche Grundstück. Bei einer Fläche von 3.300 m² ergeben sich Kosten von rund 375 €/ m² brutto.

Weitere Kosten entstehen durch das Planungshonorar, den Kanalneubau, die Beleuchtung und Elektranten und die Versetzung des Neustädter Brunnens sodass mit Brutto-Gesamtkosten von rund 1,5 Mio. € gerechnet werden kann.

Die Städtebaufördermittel sind auf knapp 1,18 Mio. € begrenzt. Die verbleibenden Kosten werden durch den städtischen Eigenanteil, den Eigenanteil der Kirche und Anliegerbeiträge gedeckt. Letztere werden in einem eigenständigen Verfahren mit Einzelfallsatzung nach Kommunalabgabengesetz (KAG) erhoben.

Die notwendigen Mittel sind im Haushaltsplan eingestellt.