Das war gestern – Der historische Rückblick

In unseren Beständen stecken jede Menge spannende Geschichten: Um Ihnen einen Einblick zu geben, präsentieren wir hier in regelmäßigen Abständen besondere Archivalien aus unseren Magazinen.
Sie erinnern sich und wissen noch mehr? Dann melden Sie sich gerne bei uns.

August 2021

Die "Schulung der Lehrlinge" in den 1960er Jahren
Im August beginnt für viele junge Menschen der Start ins Berufsleben. Auch die Stadt Herford freut sich über neue Auszubildende!
Zum Berufseinstig bei der Verwaltung des Kreises Herford gehörte über viele Jahre die sogenannte „Schulung der Lehrlinge“: Was erfahrene Beamte unterrichteten, musste in einem Protokoll festgehalten werden. Fünf dieser Protokollbände von 1962-1974 werden im Kommunalarchiv aufbewahrt. Die Auszubildenden lernten u.a. die Inhalte der Dienstordnung kennen, sprachen im September 1965 über die Bundestagswahl und besichtigten 1963 die damals moderne Lichtpausanlage, mit der im Katasteramt Kopien großer Karten erstellt wurden.

Abbildung: Kommunalarchiv Herford-K-D-6988; Kommunalarchiv Herford-K-F-73.13

Juli 2021

Die Fußball-Weltmeisterschaft 1970
Auch 1970 konnte der damalige WM-Torschützenkönig Gerd Müller der Deutschen Nationalelf nicht zum Sieg verhelfen, aber sie erkämpfte sich immerhin den 3. Platz. Gewonnen haben damals nicht nur die Brasilianer, sondern auch Herforder Pils-Trinker. Die Brauerei Felsenkeller (heute: Herforder Brauerei) veranstaltete zur WM ein Preisausschreiben, gedruckt auf Bierdeckeln. Zu gewinnen gab es eine Reise zum ersten Länderspiel des neuen Weltmeisters sowie Sachwerte im Wert von 5.000,- DM. Die Brauerei wollte "Schwung an die Theken" der Gastwirte im Kreis bringen – so lautete die Werbung in einem Rundschreiben. Der Bierdeckel stammt von Heino Uekermann, Urenkel des Brauereigründers Georg Uekermann. Derzeit wird die Sammlung vom Kreisarchiv und der Gemeinde Hiddenhausen aufbereitet.
Bürger*innen, die noch Brauereigegenstände abzugeben haben, können sich telefonisch (05221 964355) oder per E-Mail (s.rutha@hiddenhausen.de) an Sabine Rutha wenden.

Abbildung: Gemeinde Hiddenhausen - Sammlung Uekermann Nr. 035 und 094.02

Juni 2021

Tourismusmarketing der 1970er Jahre
„Bei uns ist es von Natur aus schön!“ – mit diesem Slogan warb der Kreis Herford Ende der 70er Jahre für die Region. Wer kurzfristig über die Feiertage keine Urlaubsreise in die wiedereröffneten deutschen Urlaubsregionen planen konnte, braucht nicht traurig zu sein. Die Gestaltung der Werbematerialien mag veraltet sein, doch die Aussage ist noch immer aktuell:
Bei uns ist es – tatsächlich! - von Natur aus schön!
Überzeugen kann man sich davon zum Beispiel bei einer Radtour durch den Kreis. Inspirationen dafür sind hier zu finden:
Fahr im Kreis

Übrigens: Für manch einen ist auch der Kreis Herford ein weit entfernter Sehnsuchtsort. Deshalb gab es Infomaterial schon in den 70er Jahren auch auf Englisch.

Abbildung: Kommunalarchiv Herford-K-Bib-08/02

Mai 2021

„Der lieben Mutter“: Muttertagskarten und das Müttergenesungswerk

Am 9. Mai ist Muttertag!
Ein Tag, an dem Müttern für ihr Wirken gedankt wird. Denn nicht erst seit Corona ist klar, welch wichtigen Beitrag Mütter für Gesellschaft und Familie leisten.
Das 1950 durch die Frau des damaligen Bundespräsidenten, Elly Heuss-Knapp, gegründete Müttergenesungswerk unterstützt Mütter seit über 70 Jahren. Auch in Herford fanden nach dem Zweiten Weltkrieg jährlich Sammelaktionen statt: Schüler zogen von Haus zu Haus und sammelten Geld für ‚erholungsbedürftige Mütter‘. Regelmäßig kamen mehrere tausend Euro zusammen, in ganz Deutschland wurden 1952 gar 3 Millionen Mark gesammelt!

Dass Blumen und Kartengrüße immer schon beliebt waren zeigen außerdem zwei Muttertagskarten im Archiv: Im Kriegsjahr 1941 schrieb Sohn Gustav noch aus dem Feld eine Postkarte an seine Mutter in Herford, in einer zweiten Karte berichtet ein Enkel der Großmutter von den ersten Tagen auf der Berufsschule.

Bis heute gibt es zahlreiche Anlaufstellen für Mütter, so die Beratungsstelle für Eltern & Familie beim Kreis Herford oder die „Familienunterstützende Hilfe“ im Jugendamt der Hansestadt Herford.

Abbildung: Plakat Müttergenesungswerk, Kommunalarchiv Herford, S-50-187 II

Abbildung: Muttertagskarte, Kommunalarchiv Herford, Slg. E 397-34

Links:

1. Stadt Herford: Familienunterstützende Hilfe
2. Kreis Herford: Beratungsstelle für Eltern und Kind

April 2021

Schule früher: Abschlussarbeiten des RGH aus dem Jahr 1928

Derzeit bereiten sich viele SchülerInnen im Kreis Herford auf die Abiturprüfungen vor. Frühere SchulabgängerInnen konnten jetzt bereits aufatmen und ihre  Zeugnisse entgegennehmen. Das Abschlussjahr endete bis Mitte der 60er Jahre vor Ostern.

Das Foto zeigt Abschlussarbeiten des Ravensberger Gymnasiums von  1928. Es waren die ersten Abiturprüfungen an der 1925 zur „Oberrealschule“ ausgebauten Lehranstalt. Angetrieben durch Landrat Georg von Borries war sie 1868 ursprünglich als Ackerbauschule zur Förderung der westfälischen Landwirtschaft in Herford eingerichtet worden. 

Die Prüfungsunterlagen und andere Schriftstücke  wurden im Kommunalarchiv Herford in der Archivdatenbank erfasst und sachgemäß verpackt. Letzte Arbeiten laufen. Das 2018 gefeierte Schuljubiläum gab den Anstoß  für diese Aufarbeitung. Entstanden ist auch ein zweiteiliger Beitrag zur Schulgeschichte zwischen 1911-1952, der im Jahrbuch für den Kreis Herford 2019 und 2020 veröffentlicht wurde.
Erhältlich ist das Jahrbuch hier: https://www.kreisheimatverein.de/webshop/

Abbildung: Kommunalarchiv Herford, S-40-RGH Nr. 467

März 2021

Die älteste Urkunde zu jüdischen Bürgern in Herford
1350 brach in Deutschland die Pest aus. Das Gerücht, Juden hätten Brunnen vergiftet, führte in Herford zu Ermordung und Ausplünderung jüdischer Einwohner.

Wer konnte die Täter anklagen? Wem gehörte der Besitz der getöteten Juden? Im Mittelalter war die Sachlage kompliziert. Der Kölner Erzbischof besaß das Vogtei- und Gogericht in Herford, erhielt die Huldigung der Stadt und den Eid der Äbtissin. Mit ihr gemeinsam übte er u.a. den Judenschutz aus. Es entbrannte ein Streit zwischen dem Erzbischof und der Stadt Herford, den er im Juli 1353 überraschend beilegte, wie die gezeigte Urkunde belegt. „Groll und Unmut“, den die Folterung von Juden auslöste, wird den Herforder Bürgern „großzügig verziehen“.

Die Urkunde ist das älteste Dokument im Kommunalarchiv Herford, das jüdische Einwohner erwähnt. Zu sehen ist sie 2021 in der Ausstellung „Eva, Simon und die Anderen – Jüdisches Leben im Raum Herford“ in der Gedenkstätte Zellentrakt.
Eine Liste mit allen Archivalien zum jüdischen Leben in Herford gibt es hier

Kommunalarchiv Herford, S-Urk.-Nr. 21 (17. Juli 1353 - Erzbischof von Köln)

Februar 2021

Richtfest mit Richtschmaus: Der Neubau des Dreisbachhauses am Lübbertor
Am 6. September 1963 hob der Richtkran um halb fünf am Nachmittag den Richtkranz über den sog. Dreisbach-Neubau am Lübbertor. Frau Dreisbach war die Bauherrin, die Familie betrieb eine Gastwirtschaft und ein Lebensmittelgeschäft. Schon 1938 hatten die Planungen für einen Neubau zwischen der Firma Dreisbach und der Stadt am zu eng gewordenen Lübbertor begonnen. 1963 war es dann endlich soweit und der fertige Rohbau der modernen Skelettkonstruktion konnte gefeiert werden. Dem Herforder Architekten Dipl. Ing. Fritz Schuld wurde als „Tempo-Macher“ des Baus der Richtspruch gewidmet:
"Herr Schuld ist immer schrecklich schnelle,
es gibt bei ihm kein Treten auf der Stelle.
Darum heißt er bei uns, es ist kein Witz,
nicht der alte, sondern der schnelle Fritz
."
Der feierliche Richtschmaus fand im mittlerweile abgerissenen alten Dreisbachhaus bei Bier und geschmierten Broten statt. Einer der ersten Mieter war Schlachtermeister Hans Reckendorf, der im Gebäude eine Würstchenbude betrieb. Viele Herforder erinnern sich noch an die Bratwurstbude.
Im Jahr 2019 brannte das stadtbildprägende Hochhaus weitgehend aus und wird zurzeit saniert.

Foto: Richtfest des Stahlskelett-Hochhauses am Lübbertor am 6. September 1963, Kommunalarchiv / Fotosammlung Georg Heese