Das war gestern – Der historische Rückblick

In unseren Beständen stecken jede Menge spannende Geschichten: Um Ihnen einen Einblick zu geben, präsentieren wir hier in regelmäßigen Abständen besondere Archivalien aus unseren Magazinen.
Sie erinnern sich und wissen noch mehr? Dann melden Sie sich gerne bei uns.

April 2021

Schule früher: Abschlussarbeiten des RGH aus dem Jahr 1928

Derzeit bereiten sich viele SchülerInnen im Kreis Herford auf die Abiturprüfungen vor. Frühere SchulabgängerInnen konnten jetzt bereits aufatmen und ihre  Zeugnisse entgegennehmen. Das Abschlussjahr endete bis Mitte der 60er Jahre vor Ostern.

Das Foto zeigt Abschlussarbeiten des Ravensberger Gymnasiums von  1928. Es waren die ersten Abiturprüfungen an der 1925 zur „Oberrealschule“ ausgebauten Lehranstalt. Angetrieben durch Landrat Georg von Borries war sie 1868 ursprünglich als Ackerbauschule zur Förderung der westfälischen Landwirtschaft in Herford eingerichtet worden. 

Die Prüfungsunterlagen und andere Schriftstücke  wurden im Kommunalarchiv Herford in der Archivdatenbank erfasst und sachgemäß verpackt. Letzte Arbeiten laufen. Das 2018 gefeierte Schuljubiläum gab den Anstoß  für diese Aufarbeitung. Entstanden ist auch ein zweiteiliger Beitrag zur Schulgeschichte zwischen 1911-1952, der im Jahrbuch für den Kreis Herford 2019 und 2020 veröffentlicht wurde.
Erhältlich ist das Jahrbuch hier: https://www.kreisheimatverein.de/webshop/

Abbildung: Kommunalarchiv Herford-S-40-RGH Nr. 467

März 2021

Die älteste Urkunde zu jüdischen Bürgern in Herford
1350 brach in Deutschland die Pest aus. Das Gerücht, Juden hätten Brunnen vergiftet, führte in Herford zu Ermordung und Ausplünderung jüdischer Einwohner.

Wer konnte die Täter anklagen? Wem gehörte der Besitz der getöteten Juden? Im Mittelalter war die Sachlage kompliziert. Der Kölner Erzbischof besaß das Vogtei- und Gogericht in Herford, erhielt die Huldigung der Stadt und den Eid der Äbtissin. Mit ihr gemeinsam übte er u.a. den Judenschutz aus. Es entbrannte ein Streit zwischen dem Erzbischof und der Stadt Herford, den er im Juli 1353 überraschend beilegte, wie die gezeigte Urkunde belegt. „Groll und Unmut“, den die Folterung von Juden auslöste, wird den Herforder Bürgern „großzügig verziehen“.

Die Urkunde ist das älteste Dokument im Kommunalarchiv Herford, das jüdische Einwohner erwähnt. Zu sehen ist sie 2021 in der Ausstellung „Eva, Simon und die Anderen – Jüdisches Leben im Raum Herford“ in der Gedenkstätte Zellentrakt.
Eine Liste mit allen Archivalien zum jüdischen Leben in Herford gibt es hier

Kommunalarchiv Herford, S-Urk.-Nr. 21 (17. Juli 1353 - Erzbischof von Köln)

Februar 2021

Richtfest mit Richtschmaus: Der Neubau des Dreisbachhauses am Lübbertor
Am 6. September 1963 hob der Richtkran um halb fünf am Nachmittag den Richtkranz über den sog. Dreisbach-Neubau am Lübbertor. Frau Dreisbach war die Bauherrin, die Familie betrieb eine Gastwirtschaft und ein Lebensmittelgeschäft. Schon 1938 hatten die Planungen für einen Neubau zwischen der Firma Dreisbach und der Stadt am zu eng gewordenen Lübbertor begonnen. 1963 war es dann endlich soweit und der fertige Rohbau der modernen Skelettkonstruktion konnte gefeiert werden. Dem Herforder Architekten Dipl. Ing. Fritz Schuld wurde als „Tempo-Macher“ des Baus der Richtspruch gewidmet:
"Herr Schuld ist immer schrecklich schnelle,
es gibt bei ihm kein Treten auf der Stelle.
Darum heißt er bei uns, es ist kein Witz,
nicht der alte, sondern der schnelle Fritz
."
Der feierliche Richtschmaus fand im mittlerweile abgerissenen alten Dreisbachhaus bei Bier und geschmierten Broten statt. Einer der ersten Mieter war Schlachtermeister Hans Reckendorf, der im Gebäude eine Würstchenbude betrieb. Viele Herforder erinnern sich noch an die Bratwurstbude.
Im Jahr 2019 brannte das stadtbildprägende Hochhaus weitgehend aus und wird zurzeit saniert.

Foto: Richtfest des Stahlskelett-Hochhauses am Lübbertor am 6. September 1963, Kommunalarchiv / Fotosammlung Georg Heese