Das war gestern – Der historische Rückblick

In unseren Beständen stecken jede Menge spannende Geschichten: Um Ihnen einen Einblick zu geben, präsentieren wir hier in regelmäßigen Abständen besondere Archivalien aus unseren Magazinen.
Sie erinnern sich und wissen noch mehr? Dann melden Sie sich gerne bei uns.

September 2022

Das Goldene Buch der Stadt Herford – Ein Gästebuch der besonderen Art

Das Goldene Buch der Stadt Herford ist ein besonderes Buch: Ledereinband, prachtvolles Titelbild und goldene Beschläge. Seit dem Mittelalter wurden Goldene Bücher (Libro d’Oro) genutzt, um besondere Gäste zu ehren und an deren Besuch zu erinnern. Diese Form der Gästebücher gibt es außer in Herford auch in einigen anderen Städten im Kreis Herford: So in Bünde, Löhne, Rödinghausen und Kirchlengern.

Das jüngste Goldene Buch im Kreis Herford ist das aus Kirchlengern aus dem Jahr 2002. Das älteste ist das der Stadt Herford: Es wurde 1902 zur Kaiserzeit anlässlich der Einweihung des Kurfürstendenkmals auf dem Bahnhofsvorplatz angelegt und befindet sich im Kommunalarchiv. Der erste Eintrag stammt vom preußischen Kronprinzen Wilhelm, wenige Seiten dahinter ist am 18.02.1910 die Unterschrift von Georg von Borries jun. (Regierungspräsident von Minden) und Franz von Borries (Landrat Kreis Herford) zu finden. Die zahlreichen Eintragungen sind ein anschauliches Zeugnis der Stadt- und Politikgeschichte.

Das Goldene Buch ist online einsehbar unter: https://www.herford.de/Meine-Stadt/Rathaus-Verwaltung/Goldenes-Buch/


Foto: Kommunalarchiv Herford, CI 1072

August 2022

Sparen in der Not: Barfussgehen spart Leder

In den Archivbeständen begegnet man immer wieder Objekten, die eine erstaunliche Aktualität besitzen. So fand sich in einem vor Jahrzenten abgegebenen Bestand städtischer Karten das abgebildete Plakat "Geht barfuss!". Vermutlich wurde es während des ersten Weltkriegs vom Herforder Magistrat herausgegeben. Gefordert wurde damals der rücksichtsvolle Einsatz von Materialien, um für härtere Zeiten, wie den Winter, gewappnet zu sein. Ähnlich wie die heutige Aufforderung, Gas zu sparen, um bei kälter werdenden Temperaturen ausreichende Rücklagen zu besitzen.

Foto: Kommunalarchiv Herford-S-Slg-P4

Juli 2022

In privaten Abgaben schlummern spannende Schätze

Im April erhielt das Archiv überraschend zahlreiche Fotos und Schriften aus dem Nachlass des ehemaligen Hausmeisters der Grundschule Falkstraße. Die Fotos zeigen die Gebäude der Grundschulen Falkstraße und Stiftberg mitsamt der Schüler- und Lehrerschaft. Aber auch andere Facetten des alten Herford, wie die Brücke zur Bäckerstraße, sind auf den Fotos zu entdecken und laden zum Vergleich mit Heute ein. Die Schulchronik der Grundschule Falkstraße von 1911-1949, gibt Einblick in das frühere Schulleben. So erfahren wir von den Anfängen im Jahre 1823, als die Schule speziell für die Herforder Feldmarken Altstadt und Radewig gegründet wurde, oder vom schwierigen schulischen Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg, der von der kurzfristigen Enteignung des Schulgebäudes durch die britische Militärverwaltung geprägt war.

Liegen auch bei Ihnen noch ähnliche „Schätze“, welche interessante Einblicke in die Vergangenheit des Kreises oder der Stadt Herford liefern? Dann kontaktieren Sie uns gerne, um eine mögliche Abgabe an das Archiv zu besprechen:
05221 132216
kommunalarchiv@kreis-herford.de

Foto: Kommunalarchiv Herford-S-Sgl-E

Juni 2022

Hebammentagebücher im Archiv

Minna Niemeier  war 1916 die erste Schwangere aus Dünne, die von der Hebamme Johanne Lütkemeier betreut wurde. Am 7.1.1916 brachte sie daheim in ihrer Wohnung einen gesunden Jungen zur Welt. „Dauer der Geburt:  2 ½ Stunden , Geburtszeit: 4 Uhr Nachmittags, Größe: 50 cm“, notierte Johanne Lütkemeier  im Hebammentagebuch. Erst mit 70 Jahren ging sie 1954 in den Ruhestand.  Bis dahin blieb sie der Gemeinde Dünne treu und half hunderten Kindern ins Leben.

Minna Niemeier hat ihre Prüfung 1912 in Paderborn abgelegt. Das Archiv verfügt über einige Hebammentagebücher.
Seit diesem Jahr kann man auch in Herford an der Fachhochschule (FHM) das Fach „Hebammenwissenschaft“ studieren. Weitere Informationen gibt es hier: http://www.bildungscampus-herford.de/Aktive-Nutzer/Hebammenausbildung-der-FHM

Quellen: Kommunalarchiv Herford-K-D 2940, 4553-4570

Mai 2022

Chronik nur gegen Altpapier: Materialknappheit nach dem Zweiten Weltkrieg

Materialengpässe, Versorgungskrise, Währungsreform – all das hat die Stadt Enger 1948 nicht davon abgehalten, ein großes Fest zu ihrem 1000-jährigen Jubiläum zu feiern. Es gehörte aber einiges an Optimismus, Trotz und Kreativität dazu, um ein umfangreiches Programm auf die Beine zu stellen. Auch auf die Herausgabe einer Stadtchronik wollte man nicht verzichten. Doch Papier als Rohstoff war knapp, sodass der Druck nur im Tausch gegen Altpapier zu realisieren war.  Also ersann man einen einfach Deal: Wer 3 kg Altpapier ablieferte, erhielt das Buch zum Vorzugspreis von 6 DM. Alle anderen zahlten 7 DM.

Quellen: Kommunalarchiv Herford-E-B Nr. 20; Kommunalarchiv Herford-K-Bib-Enger/03

April 2022

Mariupol–Herford: Besuch von Zwangsarbeiterinnen im Mai 1994

In den Berichten über den Ukraine-Krieg wird häufig die Stadt Mariupol genannt. Eine Stadt, zu der es im Kreis Herford eine besondere Beziehung gibt: Im Mai 1994 kamen auf Einladung des Rates der Stadt Herford 21 ukrainische Frauen aus Mariupol hierher, die als Zwangsarbeiterinnen im Zweiten Weltkrieg in Herford arbeiten mussten. Im Vorfeld des Besuchs recherchierten Historiker im Kommunalarchiv die Geschichte der Zwangsarbeit im Kreis Herford und veröffentlichten ihre Ergebnisse in dem Buch „Mariupol – Herford und zurück. Zwangsarbeit und ihre Bewältigung nach 1945.“

50 Jahre nach Kriegsende hatte sich der Raum Herford verändert, die politische und gesellschaftliche Situation war eine völlig andere. Die Einladung der Zwangsarbeiterinnen war mit dem Wunsch nach Versöhnung verbunden. Höhepunkt des Aufenthaltes war ein Abend in der VHS. Die ukrainischen Gäste kamen dort mit einigen der Menschen zusammen, die sie im zweiten Weltkrieg hier kennengelernt hatten. „Die Freude auf allen Seiten war groß. Es wurde gelacht, gestaunt und geweint. Viele der damals heimlich geschlossenen Freundschaften wurden nach 50 Jahren wiederbelebt.“ Der Besuch trug dazu bei, ein bislang tabuisiertes Thema historisch aufzuarbeiten und der Wiedergutmachung ein Stück näher zu kommen.

Foto: Begrüßung der ehemaligen Zwangsarbeiterinnen durch den damaligen Bürgermeister Klippstein.
Aus dem Buch "Mariupol - Herford und zurück", erhältlich über das Kommunalarchiv Herford für 5 Euro.

März 2022

Das Kriegstagebuch des Soldaten Hermann Bornemann

Die Schrecken des Kriegs, verdeutlicht das Tagebuch des Soldaten Hermann Bornemann aus dem Ersten Weltkrieg. Der folgende Auszug beschreibt schonungslos realistisch die Anonymität der vielen unnötigen Opfer:

Munitionsdepot der 103 Infanterie Division im Walde südwestlich Lagery, auf den Höhen nördlich der Marne. Dienstag den 4. Juni 1918 „Auf den Haferfeldern rechts und links von uns sahen wir viele blaue Flecke. Wir ritten näher und hielten nun vor einer langen Reihe toter Franzosen, welche nun schon einige Tage dort liegen mußten. (...) Etliche lagen wie schlafend, andere wieder in gräßlichen Stellungen. In einem kleinen Gehölz ist ein französisches Maschinengewehr gewesen. Dieses ist von unserer Artillerie mit einigen Granaten erledigt worden. Hier sahen die Körper entsetzlich aus. Gerade wie im Februar 16 im Haumontwalde vor Verdun. Der Mensch gewöhnt sich doch an alles (...). Ich denke mir nur noch wenig dabei. Was uns auffiel, war folgendes: Die Taschen waren bei allen Toten, wohl 40-50, welche ich sah, umgekehrt. Notizbücher, Taschentücher und sonstiges Fetzen lagen umher. Anscheinend waren die Toten geplündert.“

Abbildung: Kommunalarchiv Herford, Slg. E 735.

Februar 2022

Notgeld in Herford 1917-1923

Während der Jahre 1917-1923 wurde vom Herforder Magistrat viermal Notgeld ausgegeben. Die erste Notgeldausgabe fand im Mai 1917 infolge des kriegsbedingten Kleingeldmangels statt. Denn die zur Erstellung des Kleingeldes genutzten Materialien gingen entweder in die Kriegsproduktion ein oder wurden, wegen ihres Materialwerts, von der Bevölkerung gehortet. Der unten dargestellte Notgeldschein wurde im Oktober 1922 herausgegeben, als die beginnende Hyperinflation dazu führte, „dass selbst mittlere Betriebe in der Stadt nicht mehr in der Lage waren, die zur Löhnung ihrer Arbeiter notwendigen Barmittel zu beschaffen.“ Als die Hyperinflation 1923 dann zu alptraumhaften Inflationsraten von mehreren tausend Prozent führte, wurde der Schein mit dem Wertüberdruck „2 Millionen“ versehen. Auf dem Schein ist ein ehemaliges Gebäude der Herforder Abtei zu sehen, das für den Rathausneubau 1914 weichen musste. Seit der Auflösung des Herforder Frauenstiftes 1802 wurde es als Fabrikgebäude der Spinnerei Schönfeld genutzt.

Abbildung: Kommunalarchiv Herford-S-Slg. E - 719

Januar 2022

Das Timpkenfest in Enger

Neben den süßen Semmeln für die Kinder, nach denen das Timpkenfest benannt ist, gab es früher auch Hausmannsbrot und deftige Schweinewürste für Arme und Bedürftige: So steht es im Bericht des Engeraner Amtmanns von 1844. Das Timpkenfest, welches alljährlich zum Dreikönigstag in der Stiftskirche zu Enger gefeiert wird, war einst eine Armenspeisung, die der Sage nach von Widukind selbst veranlasst wurde und an den Sachsenherzog erinnern soll. Tatsächlich nachweisen lässt sich die Tradition bis ins 16. Jahrhundert. 

Das Timpken-Foto stammt aus der Sammlung des Pfarrers Gerhard Kenter, der von 1913 bis 1986 in Enger lebtet. Pfarrer Kenter war ein engagierter Familienforscher, der intensiv zu Höfen und Orten der Region forschte. Akribisch geordnet nach Ortsteilen und untergliedert nach den alten Hausnummern hat Kenter seine Forschungen genau dokumentiert.

In den letzten Wochen wurde die besondere Sammlung im Kommunalarchiv Herford in säurefreie Mappen umgeheftet und in der Archivsoftware erfasst, sodass die Ergebnisse nun für alle FamilienforscherInnen und Interessierte in Kürze auf https://www.archive.nrw.de/ recherchierbar sind.  

Abbildung: Kommunalarchiv Herford, K-FN Nr. 06

Dezember 2021

Karge Weihnachten 1940

Die Unternehmerfamilie Johanna und Adolf Ahlers feiern im zweiten Kriegsjahr mit ihren damals noch drei Kindern eine für ihre Verhältnisse wohl eher karge Weihnacht. Der Baum eher spirrig, aber schön geschmückt. Unter ihm eine hölzerne Krippe, ein Bollerwagen, ein Pferdchen mit Kutsche ein Kinderstuhl und eine Rassel, auf dem Tisch ein Bilderbuch für den Kleinsten. Mutter Johanna notierte: „24. Dienstag. Sehr schön, Kirche, Bescherung mit den Kindern, gegessen Spargel, Forelle, Obstsalat.“ Die Familie befand sich nicht in der Heimat, sondern in Berchtesgaden.

Seinen Mitarbeiter*innen in Herford schrieb Adolf Ahlers „Das erste Kriegsjahr liegt hinter uns – das Jahr 1940 geht zur Neige. Unsere Wehrmacht, Heer, Luftwaffe und Marine, haben den Feind an allen Fronten siegreich geschlagen. Fast 200 Männer unserer Betriebe sind zu den Fahnen geeilt, um das Vaterland zu schützen ... Ich wünsche Ihnen allen fröhliche Weihnachten und ein glückliches neues Jahr!“
An der Front und zuhause fiel für viele das Fest sicher noch kärglicher aus.

Der im Kommunalarchiv hinterlegte Nachlass Ahlers gibt zahlreiche interessante Einblicke Ahlers zur Familien- und Firmengeschichte.

November 2021

Hauptsache günstig, schnell verfügbar und modisch. So in etwa dachten die Menschen in den 1860ern über die sogenannten „Berliner Möbel“, ähnlich wie wir heute über die Produkte eines schwedischen Möbelgiganten. Berlin galt als Standort der stärksten Möbelindustrie im ganzen Land. Die Produkte schienen konkurrenzlos, bis der Herforder Geschäftsmann Gustav Kopka sein anfangs kleines und lokalansässiges Möbelgeschäft um eine Fabrik erweiterte, ins Umland expandierte und schließlich den Beginn der Serienmöbelfertigung in Ostwestfalen-Lippe markierte. Auch heute noch gilt unsere Region als Zentrum der deutschen Möbelindustrie, die fast ein Drittel der landesweiten Produktion ausmacht. Den Erfolg hatte Kopka damals seiner „Startup-Mentalität“ zu verdanken: Er schaltete als erster Geschäftsmann überregional Werbeanzeigen und wurde so über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Und er inszenierte komplette Raumeinrichtungen, um seine Möbel zu präsentieren, wie man es auch heute unter anderem vom erwähnten Möbelhersteller aus Schweden kennt. Dieses Thema und weitere spannende Geschichten rund um den Kreis Herford erscheinen Mitte November im Historischen Jahrbuch 2022, herausgegeben vom Kreisheimatverein und dem Kommunalarchiv Herford. Es ist erhältlich für 19 Euro im örtlichen Buchhandel, im Webshop des Kreisheimatvereins (https://www.kreisheimatverein.de/webshop/) sowie im Kommunalarchiv Herford.

Abbildung: Kommunalarchiv, Zeitungssammlung Herforder Kreisblatt

Oktober 2021

Bereits vor der Wiedervereinigung gab es einen „Tag der deutschen Einheit“.  Am 17. Juni  wurde von 1954  bis 1990 an den Volksaufstand in der DDR von 1953 erinnert. Auch 1967 gab es am Tag der deutschen Einheit zahlreiche Kundgebungen in der ganzen Bundesrepublik. Viele davon wurden durch das Kuratorium „Unteilbares Deutschland“ organisiert, so auch im Kreis Herford. Begleitet wurden die Kundgebungen von einer Spendenaktion, mit der die Arbeit des Kuratoriums unterstützt wurde. Diese bestand u.a. in der Betreuung von DDR-Flüchtlingen und Spätaussiedlern, sowie in der Organisation von politischen Bildungsreisen für Jugendliche nach Berlin und zur Zonengrenze. Ziel des Kuratoriums war die Wiedervereinigung, wobei lange Zeit nicht nur die Wiedervereinigung mit der DDR, sondern auch mit den ehemaligen deutschen Ostgebieten angestrebt wurde. Das Kuratorium lehnte die sich anbahnende neue  Ostpolitik, die eine Annäherung an Osteuropa bedeutete, mehrheitlich ab und verlor somit mehr und mehr an Einfluss. 

Abbildung: Kommunalarchiv Herford, S-50 Nr. 499

September 2021

Am 26. September ist Bundestagswahl.  Ereignisse, Krisen und Entwicklungen sorgen im Wahlkampf für ein Wechselbad der Gefühle. Vor 60 Jahren, zur Bundestagswahl 1961, war das nicht anders:
Während Juri Gagarin als erster Mensch mit einem Raumschiff in die Grenzenlosigkeit des Alls startet, wird das Leben vieler Deutscher durch den Beginn des Mauerbaus stark eingeschränkt.  Ganz neue Möglichkeiten der Selbstbestimmungen eröffnen sich hingegen Frauen durch die Pille, die erstmals in Deutschland angeboten wird. Das Medikament Contagan, was bei zahlreichen Föten zu Missbildungen führte, verschwindet andererseits endlich vom Markt. Zuversichtlich schließt Deutschland ein Kulturabkommen zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses mit Afghanistan, doch an anderer Stelle wird die Außenpolitik zum Spagat. Der Algerienkrieg, der um die Unabhängigkeit Algeriens von Frankreich geführt wird, fordert Fingerspitzengefühl. Wem die Bundesbürger zutrauten, auch bei zukünftigen Herausforderungen richtig zu agieren, entschied sich am Wahltag. 

Unser Foto zeigt einen der Original-Stimmzettel,  der 1961 32.849.624 Mal ausgefüllt wurde. Mit 45,3% erhielt die CDU die meisten Stimmen. Kanzler wurde,  zum vierten und letzten Mal in Folge, Konrad Adenauer.

Foto: Kommunalarchiv Herford, K-D Nr. 68

August 2021

Die "Schulung der Lehrlinge" in den 1960er Jahren
Im August beginnt für viele junge Menschen der Start ins Berufsleben. Auch die Stadt Herford freut sich über neue Auszubildende!
Zum Berufseinstig bei der Verwaltung des Kreises Herford gehörte über viele Jahre die sogenannte „Schulung der Lehrlinge“: Was erfahrene Beamte unterrichteten, musste in einem Protokoll festgehalten werden. Fünf dieser Protokollbände von 1962-1974 werden im Kommunalarchiv aufbewahrt. Die Auszubildenden lernten u.a. die Inhalte der Dienstordnung kennen, sprachen im September 1965 über die Bundestagswahl und besichtigten 1963 die damals moderne Lichtpausanlage, mit der im Katasteramt Kopien großer Karten erstellt wurden.

Abbildung: Kommunalarchiv Herford-K-D-6988; Kommunalarchiv Herford-K-F-73.13

Juli 2021

Die Fußball-Weltmeisterschaft 1970
Auch 1970 konnte der damalige WM-Torschützenkönig Gerd Müller der Deutschen Nationalelf nicht zum Sieg verhelfen, aber sie erkämpfte sich immerhin den 3. Platz. Gewonnen haben damals nicht nur die Brasilianer, sondern auch Herforder Pils-Trinker. Die Brauerei Felsenkeller (heute: Herforder Brauerei) veranstaltete zur WM ein Preisausschreiben, gedruckt auf Bierdeckeln. Zu gewinnen gab es eine Reise zum ersten Länderspiel des neuen Weltmeisters sowie Sachwerte im Wert von 5.000,- DM. Die Brauerei wollte "Schwung an die Theken" der Gastwirte im Kreis bringen – so lautete die Werbung in einem Rundschreiben. Der Bierdeckel stammt von Heino Uekermann, Urenkel des Brauereigründers Georg Uekermann. Derzeit wird die Sammlung vom Kreisarchiv und der Gemeinde Hiddenhausen aufbereitet.
Bürger*innen, die noch Brauereigegenstände abzugeben haben, können sich telefonisch (05221 964355) oder per E-Mail (s.rutha@hiddenhausen.de) an Sabine Rutha wenden.

Abbildung: Gemeinde Hiddenhausen - Sammlung Uekermann Nr. 035 und 094.02

Juni 2021

Tourismusmarketing der 1970er Jahre
„Bei uns ist es von Natur aus schön!“ – mit diesem Slogan warb der Kreis Herford Ende der 70er Jahre für die Region. Wer kurzfristig über die Feiertage keine Urlaubsreise in die wiedereröffneten deutschen Urlaubsregionen planen konnte, braucht nicht traurig zu sein. Die Gestaltung der Werbematerialien mag veraltet sein, doch die Aussage ist noch immer aktuell:
Bei uns ist es – tatsächlich! - von Natur aus schön!
Überzeugen kann man sich davon zum Beispiel bei einer Radtour durch den Kreis. Inspirationen dafür sind hier zu finden:
Fahr im Kreis

Übrigens: Für manch einen ist auch der Kreis Herford ein weit entfernter Sehnsuchtsort. Deshalb gab es Infomaterial schon in den 70er Jahren auch auf Englisch.

Abbildung: Kommunalarchiv Herford-K-Bib-08/02

Mai 2021

„Der lieben Mutter“: Muttertagskarten und das Müttergenesungswerk

Am 9. Mai ist Muttertag!
Ein Tag, an dem Müttern für ihr Wirken gedankt wird. Denn nicht erst seit Corona ist klar, welch wichtigen Beitrag Mütter für Gesellschaft und Familie leisten.
Das 1950 durch die Frau des damaligen Bundespräsidenten, Elly Heuss-Knapp, gegründete Müttergenesungswerk unterstützt Mütter seit über 70 Jahren. Auch in Herford fanden nach dem Zweiten Weltkrieg jährlich Sammelaktionen statt: Schüler zogen von Haus zu Haus und sammelten Geld für ‚erholungsbedürftige Mütter‘. Regelmäßig kamen mehrere tausend Euro zusammen, in ganz Deutschland wurden 1952 gar 3 Millionen Mark gesammelt!

Dass Blumen und Kartengrüße immer schon beliebt waren zeigen außerdem zwei Muttertagskarten im Archiv: Im Kriegsjahr 1941 schrieb Sohn Gustav noch aus dem Feld eine Postkarte an seine Mutter in Herford, in einer zweiten Karte berichtet ein Enkel der Großmutter von den ersten Tagen auf der Berufsschule.

Bis heute gibt es zahlreiche Anlaufstellen für Mütter, so die Beratungsstelle für Eltern & Familie beim Kreis Herford oder die „Familienunterstützende Hilfe“ im Jugendamt der Hansestadt Herford.

Abbildung: Plakat Müttergenesungswerk, Kommunalarchiv Herford, S-50-187 II

Abbildung: Muttertagskarte, Kommunalarchiv Herford, Slg. E 397-34

Links:

1. Stadt Herford: Familienunterstützende Hilfe
2. Kreis Herford: Beratungsstelle für Eltern und Kind

April 2021

Schule früher: Abschlussarbeiten des RGH aus dem Jahr 1928

Derzeit bereiten sich viele SchülerInnen im Kreis Herford auf die Abiturprüfungen vor. Frühere SchulabgängerInnen konnten jetzt bereits aufatmen und ihre  Zeugnisse entgegennehmen. Das Abschlussjahr endete bis Mitte der 60er Jahre vor Ostern.

Das Foto zeigt Abschlussarbeiten des Ravensberger Gymnasiums von  1928. Es waren die ersten Abiturprüfungen an der 1925 zur „Oberrealschule“ ausgebauten Lehranstalt. Angetrieben durch Landrat Georg von Borries war sie 1868 ursprünglich als Ackerbauschule zur Förderung der westfälischen Landwirtschaft in Herford eingerichtet worden. 

Die Prüfungsunterlagen und andere Schriftstücke  wurden im Kommunalarchiv Herford in der Archivdatenbank erfasst und sachgemäß verpackt. Letzte Arbeiten laufen. Das 2018 gefeierte Schuljubiläum gab den Anstoß  für diese Aufarbeitung. Entstanden ist auch ein zweiteiliger Beitrag zur Schulgeschichte zwischen 1911-1952, der im Jahrbuch für den Kreis Herford 2019 und 2020 veröffentlicht wurde.
Erhältlich ist das Jahrbuch hier: https://www.kreisheimatverein.de/webshop/

Abbildung: Kommunalarchiv Herford, S-40-RGH Nr. 467

März 2021

Die älteste Urkunde zu jüdischen Bürgern in Herford
1350 brach in Deutschland die Pest aus. Das Gerücht, Juden hätten Brunnen vergiftet, führte in Herford zu Ermordung und Ausplünderung jüdischer Einwohner.

Wer konnte die Täter anklagen? Wem gehörte der Besitz der getöteten Juden? Im Mittelalter war die Sachlage kompliziert. Der Kölner Erzbischof besaß das Vogtei- und Gogericht in Herford, erhielt die Huldigung der Stadt und den Eid der Äbtissin. Mit ihr gemeinsam übte er u.a. den Judenschutz aus. Es entbrannte ein Streit zwischen dem Erzbischof und der Stadt Herford, den er im Juli 1353 überraschend beilegte, wie die gezeigte Urkunde belegt. „Groll und Unmut“, den die Folterung von Juden auslöste, wird den Herforder Bürgern „großzügig verziehen“.

Die Urkunde ist das älteste Dokument im Kommunalarchiv Herford, das jüdische Einwohner erwähnt. Zu sehen ist sie 2021 in der Ausstellung „Eva, Simon und die Anderen – Jüdisches Leben im Raum Herford“ in der Gedenkstätte Zellentrakt.
Eine Liste mit allen Archivalien zum jüdischen Leben in Herford gibt es hier

Kommunalarchiv Herford, S-Urk.-Nr. 21 (17. Juli 1353 - Erzbischof von Köln)

Februar 2021

Richtfest mit Richtschmaus: Der Neubau des Dreisbachhauses am Lübbertor
Am 6. September 1963 hob der Richtkran um halb fünf am Nachmittag den Richtkranz über den sog. Dreisbach-Neubau am Lübbertor. Frau Dreisbach war die Bauherrin, die Familie betrieb eine Gastwirtschaft und ein Lebensmittelgeschäft. Schon 1938 hatten die Planungen für einen Neubau zwischen der Firma Dreisbach und der Stadt am zu eng gewordenen Lübbertor begonnen. 1963 war es dann endlich soweit und der fertige Rohbau der modernen Skelettkonstruktion konnte gefeiert werden. Dem Herforder Architekten Dipl. Ing. Fritz Schuld wurde als „Tempo-Macher“ des Baus der Richtspruch gewidmet:
"Herr Schuld ist immer schrecklich schnelle,
es gibt bei ihm kein Treten auf der Stelle.
Darum heißt er bei uns, es ist kein Witz,
nicht der alte, sondern der schnelle Fritz
."
Der feierliche Richtschmaus fand im mittlerweile abgerissenen alten Dreisbachhaus bei Bier und geschmierten Broten statt. Einer der ersten Mieter war Schlachtermeister Hans Reckendorf, der im Gebäude eine Würstchenbude betrieb. Viele Herforder erinnern sich noch an die Bratwurstbude.
Im Jahr 2019 brannte das stadtbildprägende Hochhaus weitgehend aus und wird zurzeit saniert.

Foto: Richtfest des Stahlskelett-Hochhauses am Lübbertor am 6. September 1963, Kommunalarchiv / Fotosammlung Georg Heese