Hilfsnavigation

Satellitenseiten-Menu

O! herford

Seiteninhalt

Überraschungsfund: Weiterer Pöppelmann en miniature

Unbekannter Künstler, »OberLandBaumeisterPoeppelmann«, im Zweiten Weltkrieg verschollen; ehemals Stadtmuseum Dresden

Herford, 10.04.2012. Im Neuen Grünen Gewölbe in Dresden ist ein kleines Emailporträt ausgestellt, das den jungen Matthäus Daniel Pöppelmann zeigen soll. Eine Überraschung, galt doch lange Zeit die Bildnisminiatur aus dem Dresdner Stadtmuseum, die im Zweiten Weltkrieg verloren ging, als einzige zeitgenössische Darstellung des großen Barockbaumeisters.
Signiert ist das neu entdeckte Porträt vom Kunstmaler und Emailleur am Hof Augusts des Starken, Georg Friedrich Dinglinger. Eine fotografische Reproduktion lädt in der Ausstellung im Daniel-Pöppelmann-Haus auch zum Vergleich mit den Porträts des Baumeisters ein, die der Künstler Jochen Stücke gemalt und gezeichnet hat.
Von dem bisher bekannten Porträt, das auf der Rückseite den Dargestellten eindeutig als „OberLandBaumeisterPoeppelmann“auswies, gibt nur noch eine Schwarzweiß-Fotografie Zeugnis. Umso erfreulicher ist der Überraschungsfund, den Museumsleiterin Sonja Langkafel im Neuen Grünen Gewölbe machte: „Das nur 2,4 x 1,8 cm große Bildnis von Dinglinger liegt in einer Vitrine des Email-Kabinetts. Es konnteaus dem Londoner Kunsthandel für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden erworben werden.“Auf seiner Rückseite ist jedoch kein Hinweis auf den Dargestellten zu finden, sondern lediglich die Signatur des Künstlers und das Entstehungsjahr 1715. Identifiziert hat den zunächst Unbekannten die Mitarbeiterin des Grünen Gewölbes, Dr. Ulrike Weinhold, in den Dresdner Kunstblättern.
 
Der Vergleich mit Bildnissen aus der Zeit des augusteischen Dresden führte die Wissenschaftlerin auf die richtige Spur, nämlich zum bekannten Aquarell aus dem Stadtmuseum. Die charakteristischen Gesichtszüge des Architekten stimmen bei beiden Porträts deutlich überein. Nach Dr. Weinhold zeigt das eine „den selbstbewussten, reifen Künstler, aus dessen energischen Gesichtszügen man einen gewissen Stolz über das bisher Erreichte“ liest. Auf dem anderen wirkt das Antlitz erheblich jugendlicher. Das im Alter ausgeprägte Doppelkinn Pöppelmanns deutet sich erst leicht an. Weinhold kommt deswegen zu dem Schluss, dass Pöppelmann hier im Alter von ungefähr dreißig Jahren dargestellt ist.
 
Ein weiteres gewichtiges Argument für die Identifizierung des Emailporträts ist der Hinweis auf die Existenz eines solchen in einem Schreiben von Christian Wilhelm Pöppelmann, dem jüngsten Sohn des Architekten. Ein die insgesamt schlüssige Argumentation irritierendes Zitat fand Langkafel allerdings in der Publikation Alfred Dörings, der um 1920 die Herforder Pöppelmann-Forschung angestoßen hat. Dort steht zu lesen: „Große blaue Augen spiegeln erfindungsreiche Ideen…“ Auf dem Porträt von Dinglinger hat der Dargestellte braune Augen. Erst ein weiteres Porträt muss gefunden werden, damit man Klarheit über den vermeintlichen Pöppelmann erlangt, sind sich beide Forscherinnen einig.
GG Pöpp klein

© Stadt Herford














Georg Friedrich Dinglinger, Matthäus Daniel Pöppelmann (?), 1715, Email auf Kupfer, Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Jürgen Karpinski 
 



Infos:
Matthäus Daniel Pöppelmann: Kupferstiche/Jochen Stücke: Dresden-Phantasien noch bis 10. Juni
Daniel-Pöppelmann-Haus, Deichtorwall 2, 32052 Herford


Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 14 –18 Uhr, Sonntag 11 – 18 Uhr
Kontakt: 05221/189-689 oder 0160 977 32 964
Zurück zur vorhergehenden Seitezurück Zum SeitenanfangSeitenanfang Seite druckenSeite drucken