Hilfsnavigation

Satellitenseiten-Menu

Herford von der Bünder Straße aus, Lithografie um 1870

Seiteninhalt

Herford im 19. Jahrhundert

Herford, Luttenberg

Im 19. und im 20. Jahrhundert wandelte sich Herford radikaler als in all den Jahrhunderten zuvor. Seinen Anfang nahm dieser tief greifende Wandel in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Industrialisierung.


Herford wird Industriestadt

Herford, Westen

Die 1810 von F.W. Schrewe gegründete und von F.L. Schönfeld fortgeführte Spinnerei war bis in die 1850er Jahre der einzige nennenswerte Industriebetrieb in Herford. Danach entstanden neben einzelnen Textilfirmen zahlreiche Fabrikationsstätten, in denen Wäsche und insbesondere Oberbekleidung hergestellt wurden. Aus der Masse der kleinen bis mittleren Betriebe ragte hier die Firma Elsbach & Co. heraus. Um 1910 galt sie als größte Wäschefabrik des Kontinents. In Stadt und Kreis Herford etablierten sich ausgehend von der Möbelfabrik Gustav Kopkas – der ersten Serienmöbelfabrik zwischen Köln und Berlin – die Möbelbranche und deren Zulieferer. Betriebe der Genuss- und Nahrungsmittelindustrie erweiterten das Spektrum der Konsumgüterindustrie Herfords. Die Stadt entwickelte sich zu einem Zentrum der deutschen Süßwarenindustrie. Sie war aber auch Standort für Margarinefabriken, Likördestillen, Branntweinbrennereien und Brauereien. Die Herforder Maschinen- und Verpackungsfabriken sowie zahlreiche Druckereien lebten vor allem von den Aufträgen dieser Konsumgüterunternehmen.

Rasantes Bevölkerungswachstum und neue soziale Gruppen

Zahlreiche Menschen aus der ländlichen Umgebung zogen nach Herford, um in der aufstrebenden Industrie ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ein in Ausmaß und Geschwindigkeit einmaliges Bevölkerungswachstum bescherte der Stadt bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 eine Einwohnerzahl von rund 33.000 Menschen. Das waren mehr als dreimal so viele Herforder und Herforderinnen wie noch 1850. Der Zuwachs beruhte aber nur zum Teil auf dem Zustrom der Menschen aus dem Umland. Er verdankte sich vor allem den verbesserten hygienischen und medizinischen Verhältnissen. Die Menschen lebten länger und gleichzeitig war die Geburtenrate im 19. Jahrhundert noch sehr hoch.

In Folge der veränderten Wirtschaftsstruktur wandelte sich auch die städtische Sozialstruktur. Die Unternehmerschicht und die lohnabhängige Arbeiterschaft traten als neue gesellschaftliche Gruppen in der Stadt hervor und prägten zunehmend die aufblühende Vereinskultur. Die Unternehmer drückten dem Stadtbild durch repräsentative Villen und auffällige Fabrikarchitektur ihren Stempel auf. Zusammen mit dem Bildungsbürgertum dominierten sie die politischen Entscheidungsgremien der Stadt.

Herford – ein Zentrum der Region

Herford, Bünder Straße

Herford gelang es, seine Jahrhunderte währende Stellung als wirtschaftliches, administratives und kulturelles Zentrum der Region auch im industriellen Zeitalter zu behaupten. Neben dem industriellen Sektor formierte sich ein privater und öffentlicher Dienstleistungsbereich sowie ein differenzierter Einzel- und Großhandel. Zahlreiche höhere Schulen, das 1874 eröffnete Theater, das 1882 gegründete Städtische Museum, ein eigenes Orchester und zahlreiche Musikvereine sowie der 1911 ins Leben gerufene „Verein für Kunstfreunde“ kennzeichneten das vielfältige kulturelle Leben in der Stadt.
1911 stieg Herford zur kreisfreien Stadt auf. Herford blieb aber trotz seines Ausscheidens aus dem Kreisverband Sitz der Kreisverwaltung. Das Amtsgericht saß in der Stadt. Für den stark angewachsenen Verwaltungsapparat wurde während des ersten Weltkrieges (1914 – 1917) das noch heute genutzte, schlossartig wirkende Rathaus zusammen mit der Markthalle erbaut.

Ein neues Stadtbild

Die bis 1914 auf mehr als 200 Betriebe angewachsene Industrie und die auf 33.000 Bewohner und Bewohnerinnen gestiegene Einwohnerzahl haben ebenso wie die moderne Infrastruktur nicht nur das Wirtschaftsleben und die gesellschaftliche Struktur Herfords radikal verändert, sondern auch das Gesicht und die räumlichen Konturen der Stadt. Fabrikgebäude mit ihren Schornsteinen traten neben die alten Kirchtürme. Gleisanlagen, neue Straßen, Kanalisation und Trinkwasserversorgung, Energieversorgungsbauten, Markthalle und Schlachthof, Schulen und Krankenhäuser sowie neue Verwaltungsgebäude veränderten ebenfalls das Erscheinungsbild der Stadt.

Moderne mehrgeschossige Wohn- und Geschäftshäuser verdrängten vielfach die alten Fachwerkbauten innerhalb des alten Befestigungsringes. Seine Verteidigungsfunktion hatte dieser durch die Schleifung der Stadtmauern sowie den Ausbau zur Wallpromenade und zum Villenstandort längst verloren. Aber innerhalb seiner Grenzen, den Grenzen der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt, wohnten bis 1850 die meisten Einwohner und Einwohnerinnen. Um 1900 dagegen lebte bereits mehr als die Hälfte der Herforder Bevölkerung in den Feldmarken, also außerhalb der mittelalterlichen Innenstadt. Dort, in dem ehemals dünn besiedelten, landwirtschaftlich genutzten Stadtgebiet, standen bereits um 1890 mehr Gebäude als in der Innenstadt. In der Radewiger Feldmark wurde der Bahnhof errichtet. Neu gegründete Industrieunternehmen siedelten sich um 1900 gleich in der Nähe der Eisenbahnlinie an; expandierende Firmen wanderten aus der Innenstadt dorthin ab. Aber erst im 20. Jahrhundert, genauer in den 1920er und 1930er Jahren, wurden in den Feldmarken systematisch größere Siedlungen angelegt, um die mit dem Bevölkerungsanstieg entstandene langanhaltende Wohnungsnot zu beheben.

Volltextsuche

Kontakt

Sonja Langkafel »

Leitung Daniel-Pöppelmann-Haus, Städtisches Museum
 
Icon Telefon
05221 - 189 4434
 
Icon E-Mail
 
Icon Detailansicht der Adresse anzeigen
 

Christoph Laue »

Stadtarchiv / Verwaltungsarchiv
 
Icon Telefon
05221 - 13 2213
 
Icon Telefax
05221 - 13 2252
 
Icon E-Mail
 
Icon Detailansicht der Adresse anzeigen
 
Icon Raum
Raum 2.13
 
Zurück zur vorhergehenden Seitezurück Zum SeitenanfangSeitenanfang Seite druckenSeite drucken